5th July 2018 Ran Jia

Ran Jia vereint Dramatik und Sanftheit

Beim Klavierkonzert in der Autostadt sind Werke von Brahms und Schubert zu hören.

Von Andreas Stolz
Wolfsburg. Der Sonntagvormittag stand für jenen Teil der Movimen- tos-Gäste, die sich für einen Kon- zertbesuch entschieden hatten, im Zeichen des akustischen Genus- ses. Im Freiraum der Autostadt wurden Werke der Komponisten Franz Schubert (1797-1828) und Johannes Brahms (1833-1897) dargeboten.

Gespielt von einer Künstlerin, die in ihrer musikalischen Persön- lichkeit und Präsentationsart ver- schiedene Merkmale vereinigte: Virtuosität, Ausdrucksstärke, ho- he (Bühnen-) Präsenz und Gefühl für das Herbeiführen von beson- deren Stimmungen durch meister- liche, instrumentale Vortragsart. Ran Jia, geboren in Shanghai, wo sie auch studierte, band ihr Audi- torium in die melodisch-emotio- nale Welt des frühen und späteren 19. Jahrhunderts ein.

Zum Auftakt spielte die chine- sische Künstlerin das Werk „Im- promptu Nr. 2 und 3 D 899“ des Österreichers Franz Schubert. Ei- ne Komposition, deren lyrischen Charakter und Lebendigkeit Ran Jia mit grandioser Leichtigkeit zum Klingen brachte. Gespannte Stille seitens der Zuhörer und ver- träumte Töne prägten die Atmo- sphäre im Freiraum.

Dem Schubert’schen Schwel- gen im Klang folgten die „Varia- tionen über ein Thema von Hän-

del op. 24“ des Komponisten Jo- hannes Brahms. Die Pianistin verzauberte ihr Auditorium durch die perfekte Gestaltung der se- kundenschnellen, pointierten und mitreißenden Wechsel von klang- licher Dramatik und Sanftheit, die Brahms’ Werk innewohnen. Den Abschluss der musikalischen Matinee bildete eine weitere Franz- Schubert-Komposition: Die „Klaviersonate 21 B-Dur D 960“.

Nach einem Einstieg in mittle- rer Geschwindigkeit und melan- cholischer Ausstrahlung in einem „Molto moderato“, steigern sich die Tempi in diesem Stück über ein furioses „Scherzo, Allegro vi-

vace“ hin zu einem finalen „Alle- gro, ma non troppo“, bei dem das Tempo nicht übermäßig ausge- prägt zu präsentieren ist.

Ran Jia weckte bei ihrem Publi- kum die Begeisterung in erster Li- nie, das ist selbstverständlich, durch ihre meisterhafte Fähigkeit, die Noten in außerordentlich in- tensive, vereinnahmende Klänge umzusetzen.

Die Künstlerin fügte der Akus- tik durch exzellente, die Atmo- sphäre der Musik praktisch kom- plettierende Mimik und Körper- sprache hinzu. Die Stücke und deren Interpretin, die augen- scheinlich die melodischen Stim- mungen im Kopf durchlebte, gin- gen zeitweise eine Symbiose ein.

Am Schluss: Großer Beifall für ein großes Konzert!